

ln katholischen Gottesdiensten erklingen nicht mehr nur Orgeln. Selbst bei Papstmessen auf Weltjugendtagen spielen Bands. Richtig rockig klingt das aber seltener. Ein österreichischer Musiker ist überzeugt, dass sich Eucharistiefeier und Rockmusik auch mit kleinem Budget verbinden lassen.
Viele Menschen können sich Rockmusik in einer Messe kaum vorstellen. Bohuslav Bereta hingegen schon lange. Der 33-jährige Musiker und Religionslehrer aus Feldkirch in Westösterreich ist überzeugt, dass das zusammenpasst. Und zwar nicht nur in Form "aufwendiger, durchgestylter Jugendgottesdienste, deren Licht- und Musiktechnik gut 10000 Euro kosten kann". Mehrere Versuche hat der gebürtige Slowake, der seit 1999 in Österreich lebt, unternommen, um ein Konzept zu finden, in dem das Anliegen der Liturgie gewahrt bleibt und doch "rockig" gefeiert wird. Kein Konzert, sondern ein Gottesdienst - vorbereitet und gestaltet von Jugendlichen aus der Gemeinde, zu einem Budget zwischen 100 und 300 Euro für Verstärker und Lichttechnik.
Damit das prinzipiell jede Gemeinde feiern kann, hat Bereta mit einem Team mehrere Musikstücke komponiert und getextet. Die hat er in Form von Musikaufnahmen, Notenauszügen sowie technischen Anregungen auf zwei CDs gepackt und bietet sie unter dem Namen "ChurchSound" an. Die Texte sind deutsch, englisch und lateinisch, das Eingangslied "Here I Am" rockig, der Song zur Gabenbereitung eher ruhig. Ob mit Schlagzeug, Keyboards und E-Gitarren oder "unplugged" mit Akkustikgitarren, ja sogar mit Kirchenchor und Orgel hat Bereta die Stücke schon gespielt. Mit vier bis sechs Proben innerhalb von zwei, drei Wochen könne eine Gruppe Jugendlicher unter Leitung eines Erwachsenen eine solche Rockmesse mit Band und Schola vorbereiten. Auf absolute Perfektion komme es nicht an, sagt Bereta. Wichtiger sei, dass die Jugendlichen Freude haben mitzumachen. Religionslehrerin Edith Summer konnte anhand der Texte Kindern in der Schule sogar die Liturgie näherbringen. Dazu aber, so betont Bereta, müssen die Texte zum je speziellen Anliegen in der Messe passen: zum Kyrie-Ruf, zum Bekenntnis des Glaubens, zum Heilig-Ruf und so weiter.
Artikel aus der Kirchenzeitung 2009
Autor: Roland Juchern
Bereta, der auch eine Gregorianik- Schola leitet, ist überzeugt, dass Jugendliche solche traditionelle Musik nicht wirklich wünschen. "Die Kirche und ihr Gottesdienst sind für junge Menschen interessant, wenn sie sich dort wohlfühlen." Er hat kaum erlebt, dass ältere Menschen eine so bewusst gestaltete Rockmesse verlassen haben. Allerdings müsse der Gottesdienst gut angekündigt werden. "Mir geben diese Messen Kraft, neu aus meinem Glauben zu schöpfen, da mich normale Messen oft langweilen und ich nicht wirklich begeistert bin", sagt Alexandra Müller, Leiterin einer katholischen Jugendgruppe. Andere Jugendliche äußern sich knapper: "Wir haben die Kirche gerockt! Das war cool!" Bischof Elmar Fischer von Feldkirch ist angetan von solchen Versuchen, die "den Tiefgang (der Liturgie) hochmodern gestalten wollen". Da die meisten Kirchenräume einen starken Hall haben rät Bereta, im Raum verteilt Lautsprecherboxen aufzubauen "damit der Weg von der Box :Ohr möglichst kurz ist". Die Kircheneigene Verstärker- und Lautsprecheranlage sollten nur leise dazugeschaltet werden - keinesfalls als einzige Technik. Dazu wird mit einem Mikrofon der Klang von einer der Boxen derAnlage abgenommen. Liedtexte lassen sich mit einem Beamer an eine Wand oder Leinwand projizieren. Auch eine weniger aufwendige Anlage farbiger Scheinwerfer hilft, den liturgischen Raum optisch zu gestalten.